Eine unwahrscheinliche Begegnung

Gerade hatte die Fähre uns übergesetzt. Seltsam erhebendes Gefühl: eben noch in Afrika und jetzt in Europa. Es war dieses Gefühl, sich durch Welten zu bewegen.

Wir gingen in Gibraltar an Land, Jana und ich, und schlenderten über einen großen Platz am Hafen dem Ort zu. Andere Reisende kamen uns entgegen, sie wollten die umgekehrte Erfahrung machen: Europa hinter sich lassen für Afrika.

Es war ein strahlend blauer Himmel, Seemöwen kreisten unter der Sonne und riefen ihre eindrücklichen Klänge. Auch in mir rief etwas. So sehr ich mich freute, wieder in Europa zu sein, tat es weh, Marokko hinter mir zu lassen.

Worauf ich mich freute: Wir würden nach Portugal fahren und dort Lissabon und die Algarve erkunden. Wir würden nach Spanien fahren, endlich konnte ich Jana unser Haus zeigen und wir würden dort meine Familie treffen …

Was ich hinter mir ließ: Marokko, ein Land voller orientalischer Erlebnisse und Entdeckungen und geliebte Freunde, die mir sehr ans Herz gewachsen waren.

Voller Vorfreude und Melancholie schlenderten wir also über den offenen Platz, als das Unwahrscheinliche geschah.

Von weitem sah ich zwei Männer, einen älteren und einen jungen, mit einem Seesack über der Schulter. Das Merkwürdige daran war, dass der ganze Platz voller Leute war die kamen und gingen, doch ich hatte nur noch Augen für die Zwei, in weiter Entfernung. Beziehungsweise für den Einen. Ich blieb stehen, völlig erschüttert und vernahm einen heftigen Stich ins Herz. Der Mann sah mich an, sichtlich geschockt und blieb stehen. Es waren sicher 100 m zwischen uns. Wir standen still zwischen sich bewegenden Menschen. Auch die Zeit schien still zu stehen. Ich glaube, selbst die Möwen am Himmel hielten für einen Moment die Luft an. Und dann passierte es.

Mit einem Ruck warfen wir alles von uns, was wir trugen. Seesack er, Rucksack und Taschen ich und begannen zu laufen. Exakt zeitgleich. Wir rannten aufeinander zu, fielen uns in die Arme und umschlungen uns innig. Wir hatten uns so lange nicht gesehen. Unser ganzes Leben lang. Wurde auch langsam Zeit. Mit einer Jahrhunderte alten Sehnsucht hielten wir uns fest und hatten keine Zeit, uns anzuschauen, denn dafür hätten wir uns einen Moment lang loslassen müssen.

Wir umklammerten uns also, als hing unser Leben davon ab. Als wir die erste Dringlichkeit hinter uns gelassen hatten und uns sicher waren, der andere wäre auch noch da, wenn wir loslassen, nahmen wir Abstand und schauten uns an. Wenn man das Abstand nennen kann. Es passte gerade eine Handbreite zwischen unsere Gesichter.

Da war so viel Nähe und Vertrautheit, als hätten wir uns unser Leben lang gekannt. Olivgrüne, große Augen mit Ocker gesprenkelt. Voller Wärme. Ein gebräuntes, lachendes Gesicht und braunes, sonnengebleichtes, schulterlanges Haar. Ein Engel?

Was machen wir denn jetzt? fragten wir uns gegenseitig auf Englisch, er mit starkem, französischem Akzent, seine Stimme tanzte. Es war klar, dass wir uns nicht mehr loslassen konnten. Nie mehr. Doch wie würden wir das praktisch umsetzen?

Wir besprachen die verschiedenen Möglichkeiten: Ich kam jetzt mit ihm oder er kam mit mir. Das alles hatte Konsequenzen.

Ich war bereit, alles hinter mir zu lassen, nur nicht meine Ausbildung als Krankenschwester. Ich fand innerlich keinen Frieden über dem Gedanken, sie nicht abzuschließen, sondern Schmerz.

Er war bereit, alles hinter sich zu lassen außer seiner Verabredung, im Süden von Marokko als Lehrer zu arbeiten in einem sozialen Projekt. Doch danach …

Es wäre uns schändlich vorgekommen, die Adressen auszutauschen, zu banal für dieses große Erlebnis. Also legten wir gemeinsam unsere Zukunft Gott, dem Schicksal, der Vorsehung in die Hände und glaubten beide daran. Wenn das hier wirklich echt ist und Bestand hat, werden wir wieder zusammengeführt.

Wie auch Dir wundervolle Dinge geschehen 

Was bitte war das? Kannst Du mir das erklären? Eine Begegnung von so intensiver Nähe und Sehnsucht. Ein Erlebnis von so unsäglicher Freude und Bedeutung. Ein zu tiefst bewegender Moment.

Bin ich einzigartig dazu bestimmt, wundervolle Dinge zu erleben oder könnte das auch Dir „passieren“? Sagst Du: Ja, der Birgit passiert so was, sie ist dafür wie geschaffen, aber mir …?

Wenn Du rausgehst, um die Welt zu entdecken, ja, wenn Du mit der Intention hinausgehst, die Welt zu entdecken, begegnen Dir wundervolle Dinge. Sie müssen nicht so skurril und unwahrscheinlich sein wie meine Erfahrung im Hafen von Gibraltar, nein, sie können klein und für den unaufmerksamen Beobachter bedeutungslos daherkommen.

Oder im Gegenteil, vielleicht sind Deine Erfahrungen noch viel phantastischer?

Du musst dafür auch nicht gleich den Kontinent verlassen, doch vielleicht Dein Haus oder Dein Viertel.

Und eine Erfahrung führt zur nächsten. Wenn Du Deiner Freude und Deiner Begeisterung folgst, führt Dich das von Erfahrung zu Erfahrung. Ganz aufgeheizt vom letzten Erlebnis schlitterst Du direkt ins nächste, weil Deine Antennen auf Empfang stehen.

Was ist das, was Dich begeistert? Wo Du Dich gerne tummelst? Was sind die Erfahrungen, die Dich anfixen, die Dich von innen sprudeln lassen? Geh doch mal wieder raus und erlebe was. Denn daraus speist sich Dein ‘Bling‘. Geh mit offenen Augen und beobachte die Wunder um Dich herum.

Alles ist möglich. Wirklich alles, sobald Du zu Deiner Tür hinausgehst. Wenn Du aufmerksam bist, kann der kleinste Gang zum Supermarkt Dich mit dem Wunder in Berührung bringen.

Diese Geschichte ist nun 32 Jahre her. Ich habe seitdem Hunderte skurrile, völlig verrückte Geschichten erlebt, wahrscheinlich sogar viel mehr. Und das Schöne daran: Ich erlebe sie noch. Die Freunde in meiner Nähe dürfen sich ständig meine Geschichten anhören: Stell Dir mal vor, was mir passiert ist … 1001 Nacht ist ein Scheißdreck dagegen. 🙂

Ach ja, und was aus dem jungen Mann mit den olivgrünen Augen geworden ist? Ich weiß es nicht. Bis heute bin ich ihm nicht mehr begegnet. Vielleicht wirklich ein Engel? Falls Du es bist, ruf mich an.

Ich wünsche Dir viel Freude beim Entdecken Deiner eigenen unwahrscheinlichen Geschichten. Bei Deinen kleinen und großen Begegnungen jeden Tag. Bei dem, was Dich leuchten lässt.

Entdecke Dein Bling. Und lebe Deine Träume. Du bist es wert.

Alles Liebe

Selberleben.com

2 Kommentare bisher. Was sagst du dazu?

  1. Birgit sagt:

    Liebe Birgit,
    verrückte Geschichten, wie nur das Leben sie selbst entwerfen kann. Auch ich war in Marokko. Dieses Jahr und völlig unerwartet. Mir fiel auf, dass ich zu selten JA sage zum Leben. Also JA,. Und bereits am nächsten Tag die Frage: „Kommst du mit nach Marokko?“. Das Nein lurte schon um die Ecke, verzog sich aber gleich wieder. Und so traf ich in Marrakesch zwar nicht auf diesen tollen Mann, habe aber vier unglaublich inspirierende Frauen kennen gelernt.
    Übrigens. Ich sage gerne: Die Füße und mein Fußblog sind mein Ding. Bling hört sich aber noch besser an 🙂
    Viel Freude und Erfolg mit deinem Bling
    Birgit

    08. Juni 2017
    Antworten
    • Birgit Roy sagt:

      Liebe Birgít,
      willkommen im Club der Blingfinder! Du hast Dein Bling definitiv gefunden. Und es macht Freude, das zu beobachten und Dich zu lesen!
      Wohin Deine Füße Dich wohl noch so tragen … und wer Dich dahin begleitet und wen Du begleitest …
      Ich wünsche Dir viele freudige Hüpfer und viel Tango!
      Sei herzlich gegrüßt <3
      Birgit

      08. Juni 2017
      Antworten

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