Ich geh überall hin – außer nach China

Israel

1987 – um uns herum herrschte Frieden, wenn es auch schon unter der Oberfläche brodelte. Doch plötzlich brach die Erste Intifada aus und ein Krieg tobte durch das Land. Ich durfte das aus erster Hand miterleben und wurde immer öfter zutiefst verwickelt.

Das Auswärtige Amt und die Deutsche Botschaft empfahlen allen Ausländern, das Land zu verlassen. Doch was würde aus unseren Patienten werden? Ein Großteil der Mitarbeiter waren Volontäre aus allen Nationen. Wenn alle gehen, wer bleibt? Ich wusste, was mir wichtig ist. Und ich hatte ein riesiges Gottvertrauen. Ich wusste, wo mein Platz ist. Ich blieb.

Doch nun mal der Reihe nach: Ich lebte gerade in Israel. In Jerusalem, im Hopital Francais auf der Shivtei Israel, schräg gegenüber vom Damaskustor. Dort arbeitete ich mit Krebspatienten im Endstadium.

In diesen Mauern wurde etwas gelebt, welches draußen nicht mehr möglich war: Juden und Palästinenser teilten sich ein Zimmer. Und nicht nur das: Sie schlossen Freundschaft. Angesichts des Todes lebten sie eine Liebe und Offenheit, die unbeschreiblich war. Zuerst hatte ich Angst gehabt, mich in so ein Haus zu begeben. Ich war ja noch so jung und emotional nicht so gefestigt. Ich hatte Angst, dass die Not, die ich täglich miterleben würde, mich depressiv machen könnte.

Doch das Gegenteil war der Fall. Ich sprühte geradezu vor Liebe und Freude und vor Dankbarkeit. Ich liebte meine Bewohner und wir lachten so viel und machten lauter Unsinn. Ich war gekommen um ihnen etwas zu schenken, dabei war ich die Beschenkte. Ihr Leid war riesig. Ihre Liebe jedoch viel größer. Und ihr Humor schier grenzenlos.

Ich schloss Freundschaft mit ihren Familien und einige der Bewohner durfte ich auch hinüberbegleiten in die andere Welt. Eine kostbare Aufgabe.

Doch es kam der Tag, da wurde mir klar, dass eine Änderung bevorstand. Dass es für mich jetzt einen neuen Platz geben würde. Jeden Morgen hatte ich eine Stille Zeit – das ist eine Zeit, in der ich meinen Geist still machte, um auf Gottes Stimme zu lauschen. Ich stellte eine Frage und dann wurde ich still.

Meine Frage zu der Zeit war: Wo ist mein Platz – was ist der nächste Schritt? Damals war es meine Überzeugung, dass Gottes Wille extern ist. Das heißt, dass er den Weg weist und ich ihn befolge. Heute weiß ich, dass Gottes Wille und meiner ein und dasselbe ist, wenn ich in ihm bleibe, wenn ich verbunden bin.

China

Damals war ich noch etwas rebellisch und so sagte ich zu Gott: Sende mich, wohin Du willst. Aber bitte nicht nach Asien und schon gar nicht nach China. Und so ging ich jeden Morgen in die Stille und lauschte. Und empfing: China.

Na toll, so haben wir nicht gewettet, jetzt bin ich schon bereit alles zu tun und Du gibst mir gleich den schwierigsten Part. Das mache ich auf keinen Fall! Ich kämpfte und wehrte mich und weinte ein paar Tage. Naja, wer mit Gott kämpft zieht den Kürzeren, bei mir war es auf jeden Fall so. Und so willigte ich ein und ein immenser Frieden durchströmte mein Herz und eine unglaubliche Freude.

Und jetzt wird es wirklich skurril: Ein paar Tage später erreicht mich ein Brief. Er kam von Paula Voightman aus Taiwan vom Christian Salvation Service und war an mich persönlich adressiert. Woher kannte sie mich?

In dem Brief sprach sie mich persönlich an und erzählte mir von ihrer Arbeit in Taiwan mit prostituierten Kindern und von einer Arbeit mit Babies, die sie von der Straße aufsammeln und in einem Babyhaus pflegen und für die sie später Familien suchen.

Sie erzählte mir, dass die leitende Krankenschwester das Babyhaus von heute auf morgen verlassen habe und die Babies ganz dringend eine Pflegeperson brauchen. Sie habe schon viel von mir gehört und bitte mich um meine Hilfe. Sie endete den Brief mit dem Satz: If you would come, you would not only be a big help but also a great blessing to all of us.

Der Brief schlug ein wie eine Bombe. Es ist unbeschreiblich, was ich fühlte. Zuvor der Kampf mit Gott, wo ich schon durch eine gefühlsmäßige Achterbahn gefahren bin und der in so großem Frieden geendet hatte. Und nun dieser Brief. Alles in mir rief mich. Es schrie förmlich. Ich lachte, weinte, war völlig aufgeregt und aufgelöst. Diese Babies brauchten mich und ich wollte unbedingt dahin. Doch Gott hatte China gesagt und dies war in Taiwan. Völlig ausgeschlossen.

Ich hielt den Umschlag in der Hand und hob ihn hoch gen Himmel: Was soll ich tun? Du hast doch gesagt, ich soll nach China und dies hier ist Taiwan. Ich vernahm eine klare Stimme: Dreh doch mal den Umschlag um. sagte Gott und lachte. Irgendwie lachte er oft und schien mein Drama nicht so verbissen zu sehen wie ich.

Ich drehte den Briefumschlag um und las: TAIWAN und darunter: REPUBLIC OF CHINA. Da lachte ich und brach in Tränen aus und jubelte und tanzte und hüpfte … Ich kann es kaum beschreiben, wie glücklich ich war. Und vor allen Dingen war ich so voller Frieden.

Und natürlich ging ich. Und lebte in Taiwan. Und arbeitete mit den Babies. Und lebte danach noch Jahre in Asien (in Malaysia, in Thailand, auf Borneo, in Indien …)

Dein Land

Und warum erzähl ich Dir das?

Zum einen wegen meiner Freundin Heike. Sie drängt mich, endlich meine Geschichten zu erzählen. Ich habe so viele Geschichten, die das Leben (mein Leben) geschrieben hat. All die Jahre habe ich sie alle bottled up in mir aufbewahrt. Und wenn es darum geht, zu teilen, mitzuteilen, mein Licht strahlen zu lassen, dann darf ich mal etwas davon rauslassen.

Ich sag immer zu Heike: Das glaubt mir kein Mensch, was ich erlebt habe. Das ist dermaßen skurril. Das kann ich unmöglich erzählen. Darauf antwortet Heike sehr einsilbig: Schreib! Und offensichtlich hat Heike mit Gott einiges gemeinsam: Ich ziehe immer den Kürzeren. 🙂

Es gibt noch etwas, das Heike immer sagt: Wenn ich sie zu irgendetwas frage: Was soll ich tun? antwortet sie: Du weißt es doch schon längst.

Und das möchte ich Dir mit auf den Weg geben: Wenn Du Dich fragst: Was soll ich tun? Was ist mein Weg? oder vielleicht Was ist mein nächster Schritt? Ich sage Dir: Du weißt es doch schon längst!

Die einzige Frage ist: Wie kommst Du an das heran, was der größere, weisere Teil von Dir, Dein inneres Ich, welches eins ist mit Gott, längst weiß? Wie bekommst Du Zugang dazu?

Werde still. Meditiere. Bete. Und wenn Du betest, erzähl nicht Gott was er alles machen soll sondern gib ihm Raum Dir zu erzählen, was Du machen kannst.

Es spielt keine Rolle ob Du es Gott nennst oder Quelle oder Alles-was-ist. Doch hier hast Du alle Antworten. Nicht fast alle oder viele oder einige … Alle! Und Du hast Zugang dazu. Nicht manchmal, sondern immer! Immer dann, wenn Du verbunden bist.

Es gibt so viele Wege Dich zu verbinden. Doch es gibt nur eine Quelle. Und Du bist verbunden. Sobald Du es zulässt. Du musst dafür nicht schlauer werden, nicht weiser, nicht besser, nicht würdiger: Du bist verbunden und der Tisch ist gedeckt! Du bist eingeladen. Was darf’s denn heute sein?

Lebe verbunden. Und lebe Deine Träume. Du bist es wert.

Alles Liebe

Selberleben.com

PS: Wusstest Du schon, dass ich Dich begleite? Ich zeige Dir, wie Du verbunden leben kannst. Schau mal HIER und schreibe mir, warum Du meine Begleitung wünschst. Zusammen geht’s einfach besser.

2 Kommentare bisher. Was sagst du dazu?

  1. Liebe Birgit,

    was für eine berührende Geschichte und was für eine wertvolle Arbeit du da gemacht hast. Ich glaube, dass dieser wichtige Teil von deinem Leben auf jeden Fall raus in die Welt gehört.

    Solche Erfahrungen prägen uns nachhaltig. Wie gut, dass du auf deine Freundin gehört hast und uns davon erzählst.

    Liebe Grüße
    Claudia

    02. März 2017
    Antworten
    • Birgit sagt:

      Liebe Claudia,

      ich freu mich total über Dein Feedback. Ich habe meine Erfahrungen so lange für mich behalten und mir wird erst jetzt bewusst, wie sehr unsere Kompetenzen auch aus unseren Erfahrungen und Erlebnissen kommen, nicht nur von dem, was wir gelernt haben auf einer Uni oder so.
      Und ja, die Arbeit war unendlich wertvoll, eine Herzensangelegenheit. <3

      Danke, liebe Claudia.
      Alles Liebe
      Birgit

      02. März 2017
      Antworten

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